Deutsch

Das Jahr neigt sich langsam dem Ende zu. Bevor wir uns aber dem wohlver­di­en­ten Fam­i­lien­fest hingeben, gibt es noch den 4. Teil unser­er Episo­den-Geschichte von Simon Ruck­er. Das erste Hochge­fühl unseres Pro­tag­o­nis­ten scheint allmäh­lich zu verblassen und die Ein­samkeit schle­icht sich langsam in seine Seele. Die Insel offen­bart still ihre Schat­ten­seit­en. Ein Gefühlschaos bre­it­et sich aus und die Stimme in seinem Kopf schweigt immer sel­tener: „ or have i wast­ed end­less time“.
Ein­fühlsam beschreibt nicht nur Simon, unser Gast­po­et, son­dern auch Andi, unser Gastkom­pon­ist, die innere Zer­ris­senheit und die geistige Verzwei­flung der Haupt­fig­ur. Diese deep sto­ry geht tief unter die Haut!

Doch mein Hochge­fühl ver­schwand so rasch wie es gekom­men war. Bald spürte ich die Schwere meines Daseins mit unbarmherziger Ein­deutigkeit. Wenn ich mor­gens erwachte und die Sonne schon erbar­mungs­los vom Him­mel her­ab­bran­nte, war es ein guter Tag. Dann stand ich auf, ver­richtete meine Arbeit­en und der einzige Kampf, den ich zu bestre­it­en hat­te, war der Kampf gegen meinen häm­mern­den Schädel. Schlechte Tage waren es, wenn ich nicht genug getrunk­en hat­te. Wenn ich tief in der Nacht erwachte. Lange, bevor der Mor­gen graute. Die Sterne hin­gen höh­nisch über mir in der Schwärze. Zur Erin­nerung an Maria, an Zweisamkeit und mein früheres Leben, an Gesellschaft und Wärme. Die Sterne erin­nerten mich an die Drei­di­men­sion­al­ität und die Weite der Welt. Daran, dass ander­swo ein Leben stat­tfand, von dem ich kein Teil mehr war. Die Hoff­nung und die Zuver­sicht der tro­pis­chen Tage waren dann zusam­men mit der Sonne auf der anderen Seite des Plan­eten, viel zu weit weg, um von mir erre­icht zu wer­den. Viel zu weit weg. Ich fuhr aus quälen­den Träu­men von san­ften Wiesen und wehen­den Klei­dern hoch, schweißge­badet und mit rasen­dem Herzen. Einen kurzen Moment lang hielt ich das Erlebte für real. Was den darauf­fol­gen­den Moment noch fürchter­lich­er machte. Fand erst wieder Ruhe, wenn die Vögel zu sin­gen began­nen und die Hitze mir die Gedanken weg­brutzelte. Und auch dann blieb das fahle Gefühl der nächtlichen Verzwei­flung irgend­wo tief in mir hängen.

Nächte dieser Art wur­den häu­figer. Ich fand mich immer öfter um meinen Schlaf beraubt. Sollte es nicht eigentlich anders herum sein? Sollte ich nicht eigentlich zunehmend gle­ichgültiger wer­den gegenüber meinen Ver­lus­ten? Meine Zeit hier hat­te doch so gut begonnen. Mir fiel wieder ein, dass mich manch­mal das Gefühl beschlichen hat­te, hier nicht alleine zu sein. Was für ein abson­der­lich­er Gedanke auf ein­er unbe­wohn­ten Insel inmit­ten der Unendlichkeit des Ozeans. War ein solch­es Empfind­en nicht pur­er Aus­druck mein­er Verzwei­flung? Wir alle fan­gen als Unwis­sende an.

Es muss jeden­falls in dieser Zeit liegen, dass ich die ersten eige­nar­ti­gen Beobach­tun­gen auf mein­er Insel machte. Denn irgend­wann beschloss ich, mich nicht mehr gemartert in mein­er Hütte hin und herzuw­er­fen, wenn mich die Ein­samkeit nicht mehr schlafen ließ. Stattdessen stand ich auf und wan­derte am Strand ent­lang. Und sofern das Mondlicht es erlaubte auch in den Wäldern. Die auf solche Nächte fol­gen­den Tage waren dadurch nicht mehr ganz so unerträglich, der Schat­ten der Dunkel­heit ein wenig bleicher.

Die Fort­set­zung des 4. Teils und die vorheri­gen Teile find­et ihr hier:
geschichten-zeit.de/die-warnung-04/

Artist on Soundcloud:
@Andi Depres­si­va
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Text by:
@Simon Ruck­er
Track­list:
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Das Jahr neigt sich langsam dem Ende zu. Bevor wir uns aber dem wohlver­di­en­ten Fam­i­lien­fest hingeben, gibt es noch den 4. Teil unser­er Episo­den-Geschichte von Simon Ruck­er. Das erste Hochge­fühl unseres Pro­tag­o­nis­ten scheint allmäh­lich zu verblassen und die Ein­samkeit schle­icht sich langsam in seine Seele. Die Insel offen­bart still ihre Schat­ten­seit­en. Ein Gefühlschaos bre­it­et sich aus und die Stimme in seinem Kopf schweigt immer sel­tener: „ or have i wast­ed end­less time“.
Ein­fühlsam beschreibt nicht nur Simon, unser Gast­po­et, son­dern auch Andi, unser Gastkom­pon­ist, die innere Zer­ris­senheit und die geistige Verzwei­flung der Haupt­fig­ur. Diese deep sto­ry geht tief unter die Haut!

Doch mein Hochge­fühl ver­schwand so rasch wie es gekom­men war. Bald spürte ich die Schwere meines Daseins mit unbarmherziger Ein­deutigkeit. Wenn ich mor­gens erwachte und die Sonne schon erbar­mungs­los vom Him­mel her­ab­bran­nte, war es ein guter Tag. Dann stand ich auf, ver­richtete meine Arbeit­en und der einzige Kampf, den ich zu bestre­it­en hat­te, war der Kampf gegen meinen häm­mern­den Schädel. Schlechte Tage waren es, wenn ich nicht genug getrunk­en hat­te. Wenn ich tief in der Nacht erwachte. Lange, bevor der Mor­gen graute. Die Sterne hin­gen höh­nisch über mir in der Schwärze. Zur Erin­nerung an Maria, an Zweisamkeit und mein früheres Leben, an Gesellschaft und Wärme. Die Sterne erin­nerten mich an die Drei­di­men­sion­al­ität und die Weite der Welt. Daran, dass ander­swo ein Leben stat­tfand, von dem ich kein Teil mehr war. Die Hoff­nung und die Zuver­sicht der tro­pis­chen Tage waren dann zusam­men mit der Sonne auf der anderen Seite des Plan­eten, viel zu weit weg, um von mir erre­icht zu wer­den. Viel zu weit weg. Ich fuhr aus quälen­den Träu­men von san­ften Wiesen und wehen­den Klei­dern hoch, schweißge­badet und mit rasen­dem Herzen. Einen kurzen Moment lang hielt ich das Erlebte für real. Was den darauf­fol­gen­den Moment noch fürchter­lich­er machte. Fand erst wieder Ruhe, wenn die Vögel zu sin­gen began­nen und die Hitze mir die Gedanken weg­brutzelte. Und auch dann blieb das fahle Gefühl der nächtlichen Verzwei­flung irgend­wo tief in mir hängen.

Nächte dieser Art wur­den häu­figer. Ich fand mich immer öfter um meinen Schlaf beraubt. Sollte es nicht eigentlich anders herum sein? Sollte ich nicht eigentlich zunehmend gle­ichgültiger wer­den gegenüber meinen Ver­lus­ten? Meine Zeit hier hat­te doch so gut begonnen. Mir fiel wieder ein, dass mich manch­mal das Gefühl beschlichen hat­te, hier nicht alleine zu sein. Was für ein abson­der­lich­er Gedanke auf ein­er unbe­wohn­ten Insel inmit­ten der Unendlichkeit des Ozeans. War ein solch­es Empfind­en nicht pur­er Aus­druck mein­er Verzwei­flung? Wir alle fan­gen als Unwis­sende an.

Es muss jeden­falls in dieser Zeit liegen, dass ich die ersten eige­nar­ti­gen Beobach­tun­gen auf mein­er Insel machte. Denn irgend­wann beschloss ich, mich nicht mehr gemartert in mein­er Hütte hin und herzuw­er­fen, wenn mich die Ein­samkeit nicht mehr schlafen ließ. Stattdessen stand ich auf und wan­derte am Strand ent­lang. Und sofern das Mondlicht es erlaubte auch in den Wäldern. Die auf solche Nächte fol­gen­den Tage waren dadurch nicht mehr ganz so unerträglich, der Schat­ten der Dunkel­heit ein wenig bleicher.

Die Fort­set­zung des 4. Teils und die vorheri­gen Teile find­et ihr hier:
geschichten-zeit.de/die-warnung-04/

Artist on Soundcloud:
@Andi Depres­si­va

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Text by:
@Simon Ruck­er

Track­list:
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