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Interview Solvane

Wie schätzt du die aktuelle Lage der Berliner Clubkultur während des „lockdowns“ ein?

Alle Clubs kämpfen aktuell ums Überleben. Teilweise mit wirklich kreativen Ideen, teilweise mit eher „normalen“ Start-Next-Kampagnen. Je nachdem wie lange der Lockdown geht, werden wenige oder auch unter Umständen viele Clubs verschwinden. Ich bin eigentlich nur wirklich nahe an der Ritter Butzke und bekomme nur dort den Kampf aus ester Hand mit. Es ist wirklich krass.

Inwiefern betrifft die aktuelle Situation dich selbst? Wie verbringst du die Zeit jetzt?

Mir sind vom einen auf den anderen Tag alle Einnahmen durch Gigs weggefallen. Mit diesen Einnahmen bestreite ich set vielen Jahren meinen Lebensunterhalt. Das ist natürlich drastisch, aber existentielle Sorgen muss ich mir in den kommenden Monaten zum Glück noch keine machen. Da hat es andere sicherlich schlimmer getroffen, ich kenne den Fall einer alleinerziehenden Frisörin, die nun in Kurzarbeit nicht weiß, wie sie ihren Lebensunterhalt bestreiten soll. Das bricht mir das Herz, wenn ich sowas lese. Meinen neuen Alltag kann ich im Moment eigentlich schon noch genießen. Ich schlafe seit 3 Wochen im Rhythmus meines dreijährigen Sohnes. Ich gehe jeden Tag vor Mitternacht ins Bett und stehe erst nach mindestens 9 Stunden wieder auf. Tagsüber arbeite ich alte Todos auf (Office), genieße die Mehr-Zeit aber auch für kreative und künstlerische Produktionen, Zeit die sonst immer eher knapp bemessen ist.
Außerdem genieße ich, dass ich jeden Tag Sport machen, ein leckeres Dinner kochen und mit meinem Sohn spielen kann.

Wie kann man dich als Artist zurzeit am besten unterstützen?

In dem man auf Social Media meine Aktivitäten verfolgt und mit der Gemeinschaft teilt. Es kommen neben meiner wöchentlichen Radio Show auf Fritz (jeden Samstag 22 Uhr) in den kommenden Wochen und Monaten mehrere Podcasts, Remixe und auch Originals sind einige in der Pipeline…. auch bei United We Stream / ARTE Concerts werde ich zeitnah auftreten. Wer mir auf Social Media folgt und meine Aktivitäten mit seinen Freunden teilt, der macht mich sehr glücklich. Finanziell muss man mich nicht unterstützen, das haben andere aktuell sehr viel nötiger, hier gibt es beispielsweise die Kampagne von meinem Zuhause (Ritter Butzke), die Geld für ihre über 120 Mitarbeiter sammeln: https://www.startnext.com/ritter-butzke-family-fundraiser

Planst du auch Livestreams?

Grundsätzlich finde ich es gibt aktuell ein massives Überangebot an Live-Streams. Ein normaler Stream aus dem eigenen Wohnzimmer, kommt für mich aktuell nicht in Frage. Mir persönlich fehlt da irgendwie der Mehrwert und das Alleinstellungsmerkmal. Hochwertige und/oder kreative Produktionen hingegen finde ich spannend. Ich selbst habe aktuelle eine Anfrage bei United We Stream / ARTE Concert aufzutreten und das werde ich auch gerne machen. Sobald das Datum steht werde ich das natürlich auf Instagram und Facebook announcen.

Kann man demnächst wieder mit neuen Releases von dir rechnen?

Ja, als nächstes kommt in 3 Wochen ein Remix für Vanita auf hive Audio. Den habe ich gemeinsam mit meinem festen Studio-Buddy Prismode gezaubert. Wir nutzen auch aktuell die Gig-freie Zeit und haben unseren Output massiv erhöht. Wir haben mehrere fertige Tracks und da wird es zeitnah ein Announcement geben, wann die Tracks veröffentlicht werden, ein Datum gibt es allerdings noch nicht.

Wie würdest du deinen bisherigen musikalischen Werdegang beschreiben?

Musikalisch hab ich schon einige Genres durch.
Angefangen in der Schulzeit, damals habe ich mit elektronischer Musik nichts anfangen können, ich war über viele Jahre in Bands aktiv. Erst nach dem Abitur kam elektronische Musik in mein Leben und hat mich gecatcht. Vor Solvane hatte ich bis 2014 ein Duo, das im Electro aktiv war. Als Solvane bin ich seit ca 2013 aktiv und auch da hab ich mich schon in diversen House-Sparten ausgetobt. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wo es in der Zukunft hin geht. Ich lass mich da gerne auch ein bisschen treiben…

Welche Künstler haben deinen Werdegang nachhaltig geprägt?

Seit einigen Jahren definitiv mein Buddy Prismode. Neben den Studio Sessions und Gigs verbringen wir auch viele Stunden am Telefon oder am Schreibtisch, um strategische Sachen zu besprechen. Auch da sind wir ein wirklich gutes Team, das sich gegenseitig befruchtet.

Was ist deine EP/LP des Monats?

Die zwei letzten elektronische Alben, die ich wirklich stark fand bzw. finde, ist zum einen „Lys“ von Christian Löffler. Das ist ganz frisch draußen. Allerdings eher zum zu Hause anhören. Zum spielen in meinen Sets, war auf dem Album „Fire In the Jungle“ von Oliver Koletzki einiges dabei. Das kam Ende 2019.

Welche Schalplatte/CD hast du dir zuletzt gekauft?

Um ehrlich zu sein kaufe ich keine Platten mehr, seit ich nicht mehr mit Vinyl auflege. Und das sind sicherlich 10 Jahre. Eher länger. Ich bin kein Vinyl-Nostalgiker. Und CDs kauf ich auch nicht mehr, ich hab gar keinen CD Player zu Hause. Auch nicht in meinem Mac.

Kannst du dich noch an dein erstes Mal in einem Club erinnern und die Situation kurz beschreiben?

Ja. Das war 2004. Ich habe damals (wie alle DJs) mit Vinyl aufgelegt. Ich war meeega nervös. Ich habe so sehr gezittert, dass ich die Nadel nicht an die richtige Stelle auf der Platte legen konnte. Allerdings hatt ich schon nach dem Gig einen massiven Glücks-Hormon-Ausstoß. ich wusste, das ist mein Ding. Das will ich für immer erleben dürfen.

Gibt es einen Club/Festival/Location die dich besonders beeindruckt hat in den letzten Jahren?

Mein Gig auf der Fusion 2015 ist und bleibt mein absolut krassestes DJ-Erlebnis. Ich habe vor drei Leuten angefangen zu spielen, nach etwa 30 Minuten waren es so ca 2.000 Leute in dem Zelt (Luftschloss) und die Türen wurden wegen Überfüllung geschlossen. Ich habe dann ein 5-Stunden-Set gespielt und die Leute und ich sind förmlich explodiert.

Was wolltest du als Kind mal werden wenn du groß bist?

Erst Fußballprofi und dann später Pilot.

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