Home Podcast Deep Story #31 | Willkommen in Indien | By Ben Ashton

Deep Story #31 | Willkommen in Indien | By Ben Ashton

Für unsere heutige deep story konnten wir den Potsdamer Hobbyautor und Mitorganisator der „Potsdamer Wohnzimmerkultur“ Tobias Beyer ermutigen einen Reisebericht seiner sehr spannenden Indienreise zu verfassen. Den wunderbaren vocallastigen Sound steuert der großartige Schweizer Produzent/DJ Ben Ashton bei, der schon einige Releases bei Wonnemusik rausgehauen hat. Die vielen Gesangseinlagen soll den geschäftigen und lebhaften Trubel auf den Straßen Indiens symbolisieren. Viel Spaß mit Bild, Text und Ton 😉

Das letzte Mal Indien liegt vier Jahre zurück. Und damit auch der „Delhi-Belly“. Das ist die Bezeichnung unter Backpackern für die durchaus hohe Wahrscheinlichkeit, in Delhi mehr als eine Nacht auf dem schäbigen Hostel-Klo zu verbringen. Der „Delhi-Belly“ ist deshalb auch dieses Mal schon genauso strikt in der Planung verbucht wie das Visum – nur hoffentlich nicht wieder über zwei Monate anhaltend wie 2012.
Im Endeffekt, so viel sanitäre Heimlichtuerei sei vorweggenommen, hat es mich nur eine einzige Nacht auf dem Donnerbalken gefesselt; nach ein wenig Nebel am nächsten Morgen schien am Nachmittag schon wieder die Sonne – und das kam dieser Tage nicht oft vor in Dharamshala, dem Ortsverbund, in dem der Dalai Lama seine Exil-Regierung seit nun schon 57 Jahren etabliert hat bzw. etablieren musste; die chinesische Okkupation Tibets ist auch bei diesem Besuch in Dharamshalas Dörfchen McLeon Ganj und Bhagsu ein Dauerthema. Verstärkt wurde die Präsenz des Themas durch den Job, in den wir zufällig hineinschlitterten. Acht Tage lang sollten wir in einer Englisch-Konversations-Klasse für Tibeter unterrichten und diesen inhaltlich gestalten. Neben jungen tibetischen Flüchtlingen aller Geschlechter war es vor allem der Kontakt zu den zahlreichen buddhistischen Mönchen, der diesen Unterricht für mich zu etwas Besonderem machte. Wenngleich die Teilnehmer mit sehr unterschiedlichen Sprachniveaus täglich freiwillig erschienen, konnten wir mit ihnen über Themen wie Liebe und Glück sowie über komplexe Konzepte wie das des „Geistes“ (mind) im buddhistischen Sinne diskutieren. Was den Teilnehmern an Sprachkenntnissen fehlte, waren sie uns in puncto Weisheit voraus, weshalb ein für mich völlig neues und ständig reziprokes Lern- und Lehrerlebnis entstand. Mehr noch als das sollte aber die Dankbarkeit der Menschen für den Unterricht einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Das Menschen dich sofort als Lehrer akzeptieren und dir für jede Minute so unendlich dankbar sind, passiert dir als Lehrer nicht oft. Nicht in Deutschland bei meiner Arbeit mit Kindern, nicht in diesem Ausmaß.
Nach einem dreiwöchigen monsunreichen Exkurs in die Wannabe-Hippie-Gefilde vom Dalai Lama, dieser für Indien verhältnismäßig sehr entspannten Gegend, trieb es uns ins ganze Gegenteil: Varanasi. Hinduismus pur. Eine affenreiche letzte Woche in Indien stand bevor. Bei all dem Frieden dank Yoga, Meditation, der Mönche und der Berge trug ich aber durchaus Skepsis mit mir herum, ob diese letzte Woche eben nicht nur affenreich, sondern auch affenstark werden würde.

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